Stallklima und Temperatur – optimale Bedingungen für gesunde Pferde

Draußen minus 10, drinnen plus 5 – wann das Stallklima zum Problem wird
Im Januar letzten Jahres habe ich in einem geschlossenen Stall mit 20 Boxen die Ammoniakkonzentration gemessen. Der Wert lag bei 35 ppm – mehr als das Dreifache des empfohlenen Maximums von 10 ppm. Die Stallbetreiberin hatte alle Fenster und Türen geschlossen, weil es draußen minus 8 Grad waren und sie „die Pferde warm halten“ wollte. Das Gegenteil war passiert: Die Pferde standen in einer Gasblase aus Ammoniak und Feinstaub, die ihre Atemwege stärker belastete als jeder Frost es je könnte.
Dieses Szenario begegnet mir jeden Winter. Der Grundirrtum ist derselbe: Pferdehalter behandeln Ställe wie beheizte Wohnungen und vergessen, dass die thermoneutrale Zone eines gesunden Pferdes bei minus 15 Grad beginnt. Ein Stall mit plus 5 Grad Innentemperatur ist für ein Pferd mit Winterfell angenehm warm – es braucht keine 15 oder 20 Grad. Aber es braucht saubere Luft, und saubere Luft gibt es nur mit Ventilation. Die normale Ruheatmung eines Pferdes liegt bei 8 bis 16 Atemzügen pro Minute, der Ruhepuls bei 24 bis 48 Schlägen. In einem schlecht belüfteten Stall können beide Werte messbar ansteigen – ein Stressindikator, der oft übersehen wird.
Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schadgase – die drei Stallklima-Parameter
Ich arbeite in meiner Beratung mit drei Parametern, die ich in jedem Stall messe und die zusammen ein vollständiges Bild des Stallklimas ergeben. Keiner der drei darf isoliert betrachtet werden – erst das Zusammenspiel zeigt, ob ein Stall gesund oder krank macht.
Parameter eins: Temperatur. Die ideale Stalltemperatur für erwachsene Pferde liegt zwischen 5 und 15 Grad – für Fohlen zwischen 15 und 20 Grad. Wichtig ist nicht der absolute Wert, sondern die Differenz zur Außentemperatur. Mehr als 10 Grad Unterschied zwischen Stall und Außenbereich sind problematisch, weil das Pferd beim Rausgehen einen Temperatursturz erlebt, der den Kreislauf belastet und die Atemwege reizt. Ein Stall, der bei minus 10 Grad außen innen plus 12 Grad hält, hat eine Differenz von 22 Grad – viel zu hoch. Die Lösung ist nicht weniger Heizung, sondern mehr Lüftung: Wenn die Stalltemperatur natürlich durch Körperwärme der Pferde und Sonneneinstrahlung entsteht und durch Ventilation begrenzt wird, pendelt sie sich in einem gesunden Bereich ein.
Parameter zwei: Luftfeuchtigkeit. Der optimale Bereich liegt bei 60 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Unter 40 Prozent – typisch in überheizten oder überlüfteten Ställen – trocknen die Schleimhäute aus und werden anfällig für Infektionen. Über 80 Prozent – typisch in geschlossenen, schlecht belüfteten Ställen – kondensiert Feuchtigkeit an Wänden und Decken, begünstigt Schimmelbildung und erhöht die Schadgaskonzentration. Die Feuchtigkeit stammt aus der Atemluft der Pferde, aus dem Urin in der Einstreu und aus der Verdunstung von Tränkewasser. Ein Stall mit 20 Pferden produziert pro Tag bis zu 200 Liter Wasserdampf allein durch die Atmung – diese Menge muss abgeführt werden.
Parameter drei: Schadgase, allen voran Ammoniak. Dr. David Marlin, Physiologe und Biochemiker, betont, dass Training in kalter Luft auf Pferde denselben Effekt hat wie auf Menschen – und Ammoniakbelastung im Stall verstärkt diesen Effekt erheblich. Ammoniak entsteht aus der Zersetzung von Harnstoff in der Einstreu und reizt die Atemwege bei Konzentrationen über 10 ppm chronisch. In schlecht gemisteten oder selten gelüfteten Ställen messe ich regelmäßig 20 bis 40 ppm – Werte, die bei dauerhafter Exposition zu chronischem Husten, erhöhter Schleimproduktion und langfristig zu Equinem Asthma führen können.
Stallbelüftung verbessern – kostengünstige und wirksame Maßnahmen
Die beste Nachricht dieses Artikels: Gute Stallbelüftung muss nicht teuer sein. In den meisten Fällen reichen bauliche Anpassungen, die unter 2000 Euro kosten und die Luftqualität dramatisch verbessern.
Maßnahme eins: Firstlüftung. Eine durchgehende Öffnung am Dachfirst – 10 bis 15 Zentimeter breit – lässt warme, feuchte Luft nach oben entweichen. Der Kamineffekt transportiert Schadgase ab, ohne Zugluft auf Pferdehöhe zu erzeugen. In vielen älteren Ställen ist der First geschlossen – das Öffnen ist der wirkungsvollste Einzeleingriff, den ich kenne.
Maßnahme zwei: Seitliche Zuluftöffnungen. Frische Luft muss von unten nachströmen können, damit der Kamineffekt funktioniert. Fenster, die dauerhaft gekippt oder offen bleiben, erfüllen diesen Zweck. Die Angst vor Zugluft ist berechtigt – aber Zugluft entsteht durch punktuelle, schnelle Luftströme auf Pferdehöhe, nicht durch gleichmäßige Ventilation. Windschutznetze an offenen Fenstern reduzieren die Luftgeschwindigkeit, ohne den Luftaustausch zu stoppen.
Maßnahme drei: konsequentes Misten. Klingt banal, ist aber der effektivste Weg, Ammoniak zu reduzieren. Nasse Einstreu zweimal täglich entfernen, nicht einmal. Tiefe Einstreu-Systeme, bei denen nur die Oberfläche abgemistet wird, akkumulieren Ammoniak in den unteren Schichten – ein häufiges Problem in Offenställen mit Liegeflächen, die nur wöchentlich gereinigt werden.
Wenn ich in einen Stall komme und der Geruch mir die Augen tränen lässt, sage ich dem Betreiber: Ihr Pferd atmet diese Luft 20 Stunden am Tag. Was Sie nach 30 Sekunden spüren, erträgt Ihr Pferd permanent. Das macht den Punkt meist deutlicher als jede Messwert-Tabelle. Einen breiteren Überblick über saisonale Gesundheitsrisiken liefert der Hauptartikel zu Wetter und Pferd.
Welche Stalltemperatur ist ideal für Pferde?
Für erwachsene Pferde liegt die ideale Stalltemperatur zwischen 5 und 15 Grad, für Fohlen zwischen 15 und 20 Grad. Wichtiger als der absolute Wert ist die Differenz zur Außentemperatur – sie sollte 10 Grad nicht überschreiten, um den Kreislauf beim Rausgehen nicht zu belasten. Pferde mit Winterfell brauchen keinen warmen Stall, aber saubere Luft.
Wie misst man die Luftqualität im Stall?
Ammoniakteststreifen aus dem Fachhandel zeigen die Ammoniakkonzentration in wenigen Minuten an – der Grenzwert liegt bei 10 ppm. Ein einfaches Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit, die zwischen 60 und 70 Prozent liegen sollte. Als Schnelltest gilt: Wenn Sie beim Betreten des Stalls Ammoniak riechen, liegt die Konzentration bereits über 25 ppm – deutlich zu hoch.
Geschrieben von der Redaktion „Wetter Pferd”.