Pferde bei Regen und Sturm — Schutzmaßnahmen, Regendecke und Gefahren

Pferde bei Regen und Sturm auf offener Weide mit dunklem Himmel

Nieselregen, Dauerregen, Sturm — ab wann braucht Ihr Pferd Schutz?

Es gibt einen Moment, den jeder Pferdehalter kennt: Sie stehen morgens am Fenster, draußen regnet es seit drei Stunden, und auf dem Paddock steht Ihr Pferd — durchnässt, mit gesenktem Kopf, Wasser tropft von den Flanken. Ihr erster Impuls: rein holen, eindecken, abtrocknen. Aber ist das nötig?

Die Antwort ist — wie so oft — ein differenziertes Jein. Pferde sind keine Stubenhocker. Sie haben 55 Millionen Jahre Evolution hinter sich, davon die meisten unter freiem Himmel, in Steppen, Wäldern und Hochebenen, wo es keine Ställe gab. Ihre Haut, ihr Fell, ihr gesamter Organismus ist darauf ausgelegt, mit Regen umzugehen. Die thermoneutrale Zone des Pferdes reicht bis minus 15 Grad Celsius — das sagt etwas über die Robustheit dieses Tieres.

Aber es gibt Grenzen. Dauerregen in Kombination mit Wind zerstört die Isolation des Fells. Stehende Nässe am Boden führt zu Hufproblemen. Und Gewitter bringen eine Gefahr mit sich, die die wenigsten Pferdehalter in ihrer vollen Tragweite verstehen. In diesem Artikel unterscheide ich zwischen Regen, der kein Problem ist, Regen, der eines wird, und Wettersituationen, die akut gefährlich sind. Denn die Fähigkeit, diese drei Kategorien auseinanderzuhalten, entscheidet darüber, ob Sie im Winter morgens ruhig Ihren Kaffee trinken können oder ob Sie in Panik zum Stall fahren.

Was ich vorab sagen will: Regen allein ist fast nie das Problem. Regen plus Wind plus fehlender Unterstand — das ist das Problem. Regen plus Matsch plus mangelnde Hufpflege — das ist das Problem. Regen plus Gewitter plus Pferde auf der Weide — das ist das Problem. Es sind immer Kombinationen, und wer die einzelnen Faktoren versteht, kann die gefährlichen Kombinationen erkennen, bevor sie Schaden anrichten.

Wie das Pferdefell Regen abwehrt — und wann es versagt

Letzten November stand ich auf einer Koppel in Schleswig-Holstein — waagerechter Regen, 7 Grad, Wind aus Nordwest — und beobachtete eine Herde Norweger. Vier von fünf Pferden standen breitbeinig, mit dem Hinterteil zum Wind, das Fell aufgestellt, und kauten seelenruhig. Das fünfte Pferd war ein geschorener Warmblut-Einsteiger, der unter seiner Regendecke stand und trotzdem zitterte. Der Unterschied lag nicht im Regen, sondern im Fell.

Das Fell eines ungeschorenen Pferdes funktioniert nach dem Prinzip der Doppelschicht. Die äußeren Deckhaare — länger, gröber, leicht fettig — bilden eine wasserabweisende Barriere. Das natürliche Hautfett, das von den Talgdrüsen produziert wird, überzieht diese Haare und lässt Wasser abperlen, ähnlich wie bei einer gewachsten Jacke. Darunter liegt die Unterwolle — feinere, dichtere Haare, die eine Luftschicht bilden und für Isolation sorgen. Solange die äußere Schicht intakt ist und die Unterwolle trocken bleibt, ist das Pferd geschützt.

Das System hat drei Schwachstellen. Die erste: anhaltender, starker Regen. Leichter Regen perlt ab. Aber bei Dauerregen — sechs, acht, zwölf Stunden ohne Pause — dringt das Wasser irgendwann durch die äußere Schicht und erreicht die Unterwolle. Sobald die nass ist, kollabiert die Luftisolation, und die Wärmeleitfähigkeit des Fells steigt drastisch. Das Pferd verliert nun Körperwärme wie ein nasser Schwamm.

Die zweite Schwachstelle: Wind. Wind drückt das Fell flach und bläst die isolierende Luftschicht weg — genau den Mechanismus, der das Pferd bei trockener Kälte zuverlässig schützt. Regen plus Wind ist deshalb die kritischste Kombination — nicht wegen der Temperatur, sondern wegen des mechanischen Effekts auf das Fell. 5 Grad mit Dauerregen und 40 km/h Wind ist für ein Pferd belastender als minus 10 bei trockenem, windstillem Frost. Das gilt übrigens auch für Pferde, die unter Decken leben: Wenn der Wind die Decke anhebt und feuchte Kaltluft darunterdrückt, ist der Schutzeffekt dahin.

Die dritte Schwachstelle: der Zustand des Fells. Ein Pferd, das regelmäßig mit Shampoo gewaschen und gebürstet wird, verliert einen Teil seines natürlichen Hautfetts. Das Fell sieht sauber und glänzend aus, ist aber weniger wasserabweisend. Auch geschorene oder teilgeschorene Pferde haben offensichtlich keine funktionale Regenschutzschicht mehr. Und Pferde mit Cushing oder hormonellen Störungen können ein Fell haben, das optisch dicht wirkt, aber die wasserabweisende Qualität verloren hat.

Die praktische Konsequenz: Bei leichtem oder kurzem Regen — kein Handlungsbedarf für ein gesundes, ungeschorenes Pferd. Bei Dauerregen über mehr als sechs Stunden in Kombination mit Wind — Zugang zu einem Unterstand oder eine Regendecke. Die Fellfarbe spielt hier übrigens keine Rolle — die Absorptionseigenschaft, die bei Sonnenstrahlung relevant ist, hat mit Regen nichts zu tun. Schwarze Pferde werden nicht nasser als weiße.

Regendecke — wann sinnvoll, wann kontraproduktiv?

Die Regendecke ist das am häufigsten falsch eingesetzte Ausrüstungsstück in der Pferdehaltung. Ich sage das nicht, um Deckenbesitzer zu ärgern, sondern weil ich in neun Jahren Beratung mehr Probleme durch falsche Deckenverwendung gesehen habe als durch fehlende Decken.

Sinnvoll ist eine Regendecke in genau diesen Situationen: Das Pferd ist geschoren und steht bei Regen im Freien. Das Pferd hat ein geschädigtes oder mangelhaftes Fell, das Wasser nicht ausreichend abweist. Das Pferd ist alt, krank oder in schlechter Körperkondition und soll Energie nicht für die Wärmeproduktion verbrauchen. Oder die Wetterlage ist so extrem — Dauerregen mit Sturm über mehr als zwölf Stunden — dass auch ein intaktes Fell an seine Grenzen kommt und kein Unterstand verfügbar ist.

Kontraproduktiv ist eine Regendecke, wenn sie auf ein Pferd gelegt wird, das bei moderatem Regen problemlos zurechtkommt. Nicole Maier, Pferdeosteopathin und Dozentin an der Akademie für Tierheilkunde, warnt: Bei eingedeckten Pferden ist der Stoffwechsel generell anfälliger — sie verlieren die Fähigkeit, natürlich auf das Wetter zu reagieren. Die Decke drückt das Fell flach, verhindert die Piloerektion und erzeugt ein feuchtwarmes Mikroklima zwischen Haut und Deckenstoff, das Hautpilze und Ekzeme fördert. Die italienische Cortisolstudie der Universität Mailand deutet darauf hin, dass ständig geschützte Pferde höhere Stresswerte aufweisen als solche, die natürlichen Bedingungen ausgesetzt sind — ein Hinweis darauf, dass permanenter Schutz den Organismus nicht entlastet, sondern aus dem Gleichgewicht bringt.

Wenn Sie eine Regendecke kaufen, achten Sie auf drei technische Parameter. Erstens: die Wassersäule — sie gibt an, wie viel Wasserdruck die Decke aushält, bevor sie durchlässt. Ab 3000 mm Wassersäule ist eine Decke für Dauerregen geeignet. Zweitens: die Atmungsaktivität — eine Decke, die Regen abhält, aber keinen Schweiß durchlässt, erzeugt Kondenswasser auf der Innenseite und macht das Pferd von innen nass. Drittens: die Passform. Eine Regendecke, die rutscht, scheuert oder am Widerrist drückt, verursacht Hautverletzungen, die bei feuchtem Wetter schlecht heilen.

Meine Faustregel: Bevor Sie eine Regendecke auflegen, stellen Sie sich drei Fragen. Braucht mein Pferd die Decke, oder brauche ich sie, um mich besser zu fühlen? Hat mein Pferd einen Unterstand als Alternative? Und passt die Decke so, dass ich sie auch in der Nacht drauflassen kann, ohne am nächsten Morgen Scheuerstellen zu finden? Wenn die Antwort auf die erste Frage „ich brauche sie“ ist — lassen Sie es. Ihr Pferd kommt zurecht.

Ein Praxisproblem, das mir immer wieder begegnet: Pferdehalter, die eine Regendecke morgens bei Regen auflegen und abends bei trockenem Wetter wieder abnehmen. Das Auf und Ab stört die natürliche Fellregulation und schafft exakt die Bedingungen, die Hautprobleme begünstigen. Wenn eine Regendecke nötig ist, dann konsequent für den gesamten Regenzeitraum — und wenn der Regen aufhört, kommt sie ab und bleibt ab, bis die nächste ausgedehnte Regenphase beginnt. Weniger Aktionismus, mehr Konsequenz — das gilt für Regendecken genauso wie für Winterdecken.

Hufpflege bei Nässe — Strahlfäule und aufgeweichte Hufe vermeiden

Über Decken und Fell wird viel diskutiert. Über Hufe bei Regen erstaunlich wenig — dabei sind die Hufe das Organ, das bei Nässe am meisten leidet, und das am schwersten zu reparieren ist, wenn der Schaden einmal eingetreten ist.

Das Problem beginnt mit der Physik des Hufhorns. Horn ist hygroskopisch — es nimmt Wasser auf und quillt. Ein Huf, der stundenlang in Matsch oder stehendem Wasser steht, wird weicher und verliert an Struktur. Die äußere Hornschicht, die normalerweise als Feuchtigkeitsbarriere dient, verliert bei dauerhafter Durchnässung ihre Schutzfunktion. Das Ergebnis: Der Huf wird empfindlich, splitternde Ränder nehmen zu, und der Halt der Hufeisen verschlechtert sich, weil die Nägel in weichem Horn weniger Halt finden.

Gravierender als die Aufweichung ist die Strahlfäule — eine bakterielle Infektion des Strahls, die sich in feuchter, sauerstoffarmer Umgebung entwickelt. Der Fäulnisherd entsteht typischerweise in den seitlichen Strahlfurchen und am zentralen Strahlspalt. Erster Hinweis: ein fauliger Geruch beim Hufauskratzen. Fortgeschrittene Strahlfäule erkennt man an schwarzem, schmierigem Gewebe und einer sich vertiefenden Strahlfurche. Unbehandelt kann sie die tieferen Strukturen des Hufs erreichen und ernsthafte Lahmheit verursachen.

Die Vorbeugung ist einfacher als die Behandlung. Erstens: Paddockgestaltung. Ein Paddock, auf dem sich im Winter zentimetertiefe Pfützen bilden, ist eine Strahlfäule-Fabrik. Drainage, Schotter, Paddockplatten oder zumindest eine befestigte Fläche um den Futter- und Tränkenplatz herum halten die Belastung in Grenzen. Zweitens: tägliches Hufauskratzen. In der Matschwinter-Saison nicht optional, sondern Pflicht. Matsch, der über Nacht in den Strahlfurchen bleibt, schafft die anaerobe Umgebung, in der Bakterien gedeihen. Drittens: den Hufschmied-Rhythmus im Herbst nicht strecken. Bei nassem Wetter sollte der Beschlagszyklus eher kürzer sein als üblich, weil das Horn schneller wächst und die Hufe mehr Pflege brauchen.

Ein Fehler, den ich regelmäßig sehe: Huföl oder Huffett als Regenschutz auftragen. Die Idee ist, dass das Fett eine Barriere gegen Feuchtigkeit bildet. In der Realität ist der Effekt minimal — die meisten Huffette werden innerhalb von Stunden durch Matsch und Wasser abgetragen. Schlimmer: Manche Produkte verschließen die Poren des Hufhorns und verhindern, dass der Huf in trockenen Phasen natürlich trocknet. Der beste Schutz gegen aufgeweichte Hufe ist nicht ein Produkt, sondern ein trockener Boden.

Noch ein Hinweis aus der Praxis: Pferde mit Barhuf sind bei Nässe nicht automatisch benachteiligt gegenüber beschlagenen Pferden. Tatsächlich kann ein gesunder, gut gepflegter Barhuf die wechselnden Feuchtigkeitsbedingungen sogar besser kompensieren als ein beschlagener, weil er sich natürlich ausdehnen und zusammenziehen kann. Entscheidend ist nicht die Frage „Hufschutz oder nicht“, sondern die Qualität der Hornsubstanz, die Regelmäßigkeit der Pflege und die Beschaffenheit des Bodens, auf dem das Pferd steht.

Gewitter und Blitzschutz — warum Pferde besonders gefährdet sind

Regen macht nass, Matsch macht Arbeit — aber Gewitter kann töten. Das ist keine Dramatisierung, sondern Physik. Und die Physik ist für Pferde besonders ungnädig.

In Deutschland treten Gewitter je nach Region 10 bis 35 Mal pro Jahr auf — im Norden seltener, im Süden häufiger. Jedes einzelne davon ist eine potenzielle Gefahr für Pferde auf der Weide. Der Grund liegt in einem Phänomen namens Schrittspannung. Wenn ein Blitz in den Boden einschlägt, breitet sich der Strom kreisförmig aus. Die Spannung nimmt mit der Entfernung zum Einschlagpunkt ab, aber sie nimmt ungleichmäßig ab — und genau das ist das Problem. Zwischen zwei Punkten, die unterschiedlich weit vom Einschlag entfernt sind, entsteht eine Spannungsdifferenz. Je weiter diese Punkte auseinanderliegen, desto größer die Differenz.

Ein Mensch steht auf zwei Füßen, die vielleicht 30 Zentimeter auseinanderliegen. Ein Pferd steht auf vier Beinen, die anderthalb bis zwei Meter auseinanderliegen. Die Schrittspannung, die zwischen Vorder- und Hinterbeinen anliegt, ist deshalb ein Vielfaches dessen, was ein Mensch erfährt. Bei einem Blitzschlag kann die Stromstärke 100 000 Ampere erreichen, und die Spannungsdifferenz über die Beinlänge eines Pferdes reicht aus, um den Herzstillstand auszulösen. Pferde überleben einen direkten oder nahen Blitzeinschlag fast nie.

Was viele Halter nicht wissen: Der Blitz muss nicht direkt auf der Weide einschlagen. Ein Einschlag in einen Baum am Rand der Koppel, in einen Weidezaunpfahl oder in einen Metallmast kann die Schrittspannung über den feuchten Boden weit genug leiten, um Pferde in 20 bis 30 Metern Entfernung zu treffen. Bäume, unter denen Pferde bei Regen Schutz suchen, sind bei Gewitter die gefährlichsten Orte auf der Weide — sie ziehen Blitze an und leiten den Strom in den Boden direkt unter der Krone, wo die Pferde stehen.

Die Konsequenz: Bei angekündigtem Gewitter gehören Pferde von der Weide. Nicht vielleicht, nicht wenn es passt — sofort, sobald die Warnung steht. Und „in den Stall“ ist besser als „unter den Unterstand“, es sei denn, der Unterstand ist fachgerecht geerdet. Ein offener Unterstand ohne Blitzschutz ist bei Gewitter nur geringfügig sicherer als die freie Weide.

Für Stallbetreiber mit großen Weideflächen, auf denen das Einholen aller Pferde bei kurzfristigen Gewitterwarnungen nicht realistisch ist, empfehle ich eine Investition in einen geerdeten Blitzschutz für die Unterstände. Die Kosten sind überschaubar, der Schutz erheblich. Und wer regelmäßig die DWD-Warnungen per App auf dem Handy hat, gewinnt die 20 bis 30 Minuten Vorlauf, die man braucht, um eine Herde einzuholen. Der umfassende Kontext, wie Wetter die Pferdesicherheit beeinflusst, ist im Leitartikel zu Wetter und Pferd zusammengefasst.

Ich werde manchmal gefragt, ob man bei Gewitter mit dem Pferd ausreiten darf. Die Antwort ist einfach: Nein. Nie. Unter keinen Umständen. Ein Reiter auf einem Pferd ist im offenen Gelände der höchste Punkt und damit ein bevorzugtes Einschlagziel. Wer bei einem Ausritt von einem Gewitter überrascht wird, steigt ab, bindet das Pferd nicht an einen einzelnen Baum, sondern sucht einen tiefer gelegenen Bereich ohne isolierte Bäume oder Metallzäune. Sich in eine Mulde hocken, Beine zusammen, vom Pferd entfernen. Ja, das bedeutet, das Pferd loszulassen — und ja, das ist besser als zu zweit vom Blitz getroffen zu werden.

Sturmwarnung — wie Sie Stall und Weide sichern

Im Oktober 2023 fegte Sturmtief „Babet“ über Norddeutschland und riss auf einem Gestüt bei Bremen das Dach einer Reithalle ab. Trümmerteile landeten auf dem angrenzenden Paddock. Kein Pferd wurde verletzt, aber nur, weil die Stallbetreiberin die DWD-Warnung ernst genommen und die Pferde drei Stunden vorher reingeholt hatte. Nicht jede Sturmgeschichte geht so glimpflich aus.

Sturm ist ein anderes Kaliber als Regen. Regen ist ein Dauerthema, Sturm ist ein Notfall. Und wie bei jedem Notfall entscheidet die Vorbereitung über den Ausgang. Mein Sturmprotokoll für Stallbetreiber und Pferdehalter umfasst drei Phasen.

Phase eins: vor der Saison. Im Herbst, bevor die erste Sturmsaison beginnt, sollten alle Weideflächen auf lose Gegenstände geprüft werden — abgestellte Hindernisse, nicht fixierte Futterraufen, lose Zaunelemente. Was bei normalem Wetter harmlos herumsteht, wird bei 100 km/h Wind zum Geschoss. Stallgebäude auf lose Dachziegel, instabile Türen und überhängende Äste prüfen. Bäume, die über Zäune oder Paddocks hängen, gehören zurückgeschnitten.

Phase zwei: bei Sturmwarnung. DWD-Warnungen ab Stufe 2 (markantes Wetter) bedeuten: Pferde von der Weide in den Stall oder auf einen geschützten, eingezäunten Bereich ohne Bäume und lose Gegenstände. Stalltore und Fenster sichern. Futter und Wasser im Stall bereitstellen, falls die Pferde längere Zeit nicht rausgehen können. Notfallnummern — Tierarzt, Feuerwehr, Nachbarn — griffbereit haben.

Phase drei: nach dem Sturm. Bevor die Pferde wieder auf die Weide dürfen, jeden Meter abgehen. Umgestürzte Bäume, gerissene Zäune, Metallteile im Gras, herumliegende Dachpappe — all das habe ich nach Stürmen auf Weiden gefunden. Ein gerissener Zaun bedeutet: Pferde können ausbüxen und auf die Straße laufen. Ein herumliegendes Blech bedeutet: Schnittverletzungen. Nehmen Sie sich die Zeit für den Kontrollgang, auch wenn die Pferde nach 24 Stunden Box drängen.

Was ich aus langjähriger Erfahrung sagen kann: Die größte Gefahr bei Sturm ist nicht der Wind selbst, sondern umherfliegende Gegenstände und umstürzende Bäume. Ein Pferd, das auf einer freien Weide ohne Bäume steht, kommt mit starkem Wind zurecht — es dreht das Hinterteil in den Wind und wartet ab. Aber ein Pferd, das unter einer alten Eiche steht, wenn ein Ast bricht, hat ein Problem, das kein Warten löst.

Häufig gestellte Fragen

Sollte man Pferde bei Gewitter in den Stall holen?

Ja, und zwar so früh wie möglich. Pferde sind durch die Schrittspannung bei Blitzschlag besonders gefährdet — der Abstand zwischen Vorder- und Hinterbeinen erzeugt eine Spannungsdifferenz, die ein Vielfaches der menschlichen Exposition beträgt. Ein massives Stallgebäude bietet den besten Schutz. Ein offener Unterstand ohne Blitzableiter ist besser als die freie Weide, aber keine sichere Lösung. Nutzen Sie DWD-Warnungen, um 20 bis 30 Minuten Vorlauf für das Einholen zu gewinnen.

Wie schnell entwickelt sich Strahlfäule bei Dauerregen?

Strahlfäule kann sich innerhalb von zwei bis drei Wochen entwickeln, wenn der Huf dauerhaft in nassem, matschigem Untergrund steht. Die Bakterien, die Strahlfäule verursachen, gedeihen in feuchter, sauerstoffarmer Umgebung. Tägliches Auskratzen der Hufe, ein befestigter Paddockbereich und regelmäßige Kontrolle der Strahlfurchen sind die wirksamsten Vorbeugemaßnahmen. Bei ersten Anzeichen — fauliger Geruch, schwarzes Gewebe — sofort reinigen und desinfizieren.

Braucht jedes Pferd eine Regendecke?

Nein. Ein gesundes, ungeschorenes Pferd mit intaktem Winterfell und Zugang zu einem Unterstand kommt bei normalem Regen ohne Decke zurecht. Regendecken sind sinnvoll für geschorene Pferde, Pferde mit geschädigtem Fell, alte oder kranke Pferde und in Extremsituationen wie anhaltendem Starkregen mit Wind ohne Unterstandsmöglichkeit. Eine falsch eingesetzte Regendecke kann mehr schaden als nützen, indem sie das Fell plattdrückt und ein feuchtwarmes Klima auf der Haut erzeugt.

Wie gefährlich ist Schrittspannung bei Blitzschlag für Pferde auf der Weide?

Extrem gefährlich. Die Stromstärke eines Blitzes kann 100 000 Ampere erreichen, und die Schrittspannung zwischen den weit auseinanderstehenden Beinen eines Pferdes ist um ein Vielfaches höher als beim Menschen. Pferde überleben einen direkten oder nahen Blitzeinschlag fast nie. Auch indirekte Einschläge in nahestehende Bäume oder Metallzäune können über die Schrittspannung tödlich sein. Der einzig wirksame Schutz ist das rechtzeitige Einholen in ein geschlossenes Gebäude.

Erstellt von der Redaktion von „Wetter Pferd”.