Sonnenbrand beim Pferd – gefährdete Stellen, Schutz und Behandlung

Pferd mit rosa Nase und hellen Abzeichen im Sonnenlicht

Rosa Nasen, weiße Beine – warum bestimmte Pferde Sonnenbrand bekommen

Mein erster Fall war ein Cremello-Wallach, dessen gesamte Nase im August aussah wie rohes Fleisch. Der Besitzer hatte keine Ahnung, dass Pferde überhaupt Sonnenbrand bekommen können – und ehrlich gesagt, vor zehn Jahren hätte ich selbst nicht daran gedacht. Heute, nach neun Jahren in der Praxis und mit steigenden Temperaturen in deutschen Sommern, gehört das Thema fest in mein saisonales Beratungsgespräch.

Sonnenbrand entsteht bei Pferden genau dort, wo Pigment fehlt. Rosa Haut unter weißem Fell hat keinen Melaninschutz und ist UV-Strahlung praktisch schutzlos ausgeliefert. Die klassischen Stellen: Nüstern, Maul, Augenumgebung, unpigmentierte Hautpartien an den Beinen und – oft übersehen – die Fesselbeugen bei Pferden mit weißen Abzeichen. Schwarze Fellbereiche sind das Gegenteil des Spektrums: Sie absorbieren zwar enorme Mengen Sonnenstrahlung und können Oberflächentemperaturen von 44 bis 56 Grad erreichen, sind aber durch das Melanin vor UV-Schäden geschützt. Die Hitzebelastung ist dort das Problem, nicht der Sonnenbrand.

Besonders gefährdet sind Pferde mit hohem Weißanteil: Schecken, Cremelli, Perlinos und manche Appaloosas. Aber auch ein Dunkelbrauner mit einer einzigen weißen Blesse kann Sonnenbrand an genau dieser Stelle entwickeln. Ein weiterer Risikofaktor, der in deutschen Ställen kaum bekannt ist, heißt Photosensibilisierung – eine Überempfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht, die durch bestimmte Pflanzen, Medikamente oder Lebererkrankungen ausgelöst wird. Ein Pferd mit Photosensibilisierung kann auch an pigmentierten Stellen Sonnenbrand entwickeln, was die Diagnose erschwert.

Die gefährdeten Körperstellen und Risikofaktoren

Ich gehe bei der Sommerkontrolle immer die gleiche Checkliste durch, und ich empfehle Ihnen, das Gleiche zu tun. Es sind fünf Zonen, die Sie regelmäßig inspizieren sollten.

Zone eins: die Nüstern und das Maul. Das ist die häufigste Stelle, weil sie ständig der Sonne zugewandt ist und kaum durch Fell geschützt wird. Erste Anzeichen sind Rötung, gefolgt von Schuppung und in schweren Fällen Blasenbildung. Zone zwei: die Haut um die Augen, besonders bei Pferden mit weißer Blesse, die bis über die Augen reicht. Zone drei: der Nasenrücken – eine Fläche, die bei jedem Grasen direkt nach oben zeigt und die volle UV-Dosis abbekommt.

Zone vier: unpigmentierte Hautpartien am Körper, etwa unter weißen Sattellage-Bereichen bei Schecken. Diese Stellen werden oft übersehen, weil das Fell sie vermeintlich schützt – aber dünnes weißes Fell filtert UV-Strahlung nur minimal. Zone fünf: die Fesselbeugen und die Unterseite des Bauches bei Pferden, die auf sandigen, reflektierenden Böden stehen. Die Reflexion von Sand und hellem Beton kann die UV-Belastung von unten verdoppeln.

Die thermoneutrale Zone eines Pferdes liegt zwischen minus 15 und plus 25 Grad Celsius. Oberhalb dieser Komfortzone steigt nicht nur die Hitzebelastung, sondern auch die UV-Intensität – beides hängt an der gleichen Ursache, nämlich starker Sonneneinstrahlung. An einem wolkenlosen Julitag mit 35 Grad erreicht der UV-Index in Süddeutschland Werte von 8 bis 9 – das entspricht der Kategorie „sehr hoch“. Ein unpigmentiertes Pferd, das acht Stunden auf einer schattenlosen Koppel steht, wird unter diesen Bedingungen mit Sicherheit geschädigt.

Zu den individuellen Risikofaktoren gehört auch das Alter: Junge Pferde mit noch dünnem Fell und ältere Pferde mit lückenhaftem Haarkleid sind stärker betroffen. Geschorene Pferde verlieren den natürlichen UV-Filter des Fells vollständig und sollten im Sommer nicht geschoren werden – eine Praxis, die ich gelegentlich bei Turnierpferden sehe und die ich für riskant halte.

Was ebenfalls unterschätzt wird: der Boden als Reflektor. Pferde, die auf hellen Sandplätzen oder betonierten Paddocks stehen, bekommen UV-Strahlung nicht nur von oben, sondern auch von unten. Diese reflektierte Strahlung trifft auf Stellen, die normalerweise im Schatten des eigenen Körpers liegen – Unterbauch, Innenseite der Beine, Fesselbeugen. In Kombination mit fehlender Pigmentierung an diesen Stellen entsteht ein Risikoprofil, das viele Halter überrascht, weil sie nur an die Nase denken.

UV-Schutz für Pferde – von Weidezeiten bis Sonnencreme

Vergangenen Sommer habe ich in einer Stallgemeinschaft ein Experiment gemacht: Eine Gruppe Pferde bekam vormittags von 6 bis 11 Uhr Weidegang, eine zweite nachmittags von 14 bis 20 Uhr. Nach vier Wochen waren die Unterschiede an den rosa Nasen der Pferde sichtbar – die Nachmittagsgruppe hatte deutlich mehr Hautreizungen, obwohl die Gesamtdauer auf der Weide identisch war. Der Grund: Die UV-Intensität erreicht zwischen 11 und 15 Uhr ihr Maximum.

Die effektivste Schutzmaßnahme ist deshalb die Anpassung der Weidezeiten. Pferde mit empfindlichen Stellen sollten die Mittagsstunden im Schatten oder im Stall verbringen. Das klingt selbstverständlich, wird aber in der Praxis erstaunlich selten umgesetzt, weil der Koppelplan sich an den Bedürfnissen der Besitzer orientiert und nicht an der Sonne. In den Ställen, die ich berate, etabliere ich eine einfache Regel: Pferde mit rosa Haut gehen vor 11 Uhr raus und nach 15 Uhr – die Stunden dazwischen verbringen sie in einem schattigen Unterstand oder im Stall. Diese Umstellung allein hat die Zahl der Sonnenbrandfälle in einer Anlage mit 30 Pferden auf null reduziert.

Wo Weidezeiten nicht angepasst werden können, sind physische Barrieren die nächste Option. Fliegenmasken mit UV-Schutz bedecken Nase und Augenpartie und filtern einen erheblichen Teil der Strahlung. Achten Sie darauf, dass die Maske tatsächlich als UV-Schutz deklariert ist – nicht jede Fliegenmaske bietet das. UV-Decken existieren ebenfalls, sind aber in der Praxis schwer handhabbar und können bei Hitze zu Überwärmung führen. Ich empfehle sie nur für Pferde mit extremer Empfindlichkeit und ausschließlich in Kombination mit Schattenplätzen.

Sonnencreme ist eine sinnvolle Ergänzung für einzelne Stellen wie Nüstern und Maul. Verwenden Sie Zinkoxid-basierte Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30 – besser 50. Reine Zinkcremes sind dickflüssig und bleiben besser haften als chemische Sonnenschutzmittel, die Pferde durch Schweiß und Reiben innerhalb einer Stunde verlieren. Tragen Sie die Creme morgens auf und erneuern Sie sie zur Mittagszeit. Produkte mit Duftstoffen ziehen Fliegen an und machen das Problem nur schlimmer.

Bei bereits bestehendem Sonnenbrand gilt: Raus aus der Sonne, sofort. Kühle Umschläge auf die betroffenen Stellen, keine fettigen Salben, die die Hitze einschließen. Wundheilende Cremes mit Dexpanthenol oder Aloe vera sind nach der akuten Phase sinnvoll. Bei Blasenbildung oder offenen Stellen den Tierarzt hinzuziehen – sekundäre Infektionen an offenen Hautpartien können sich schnell ausbreiten, besonders in der Fliegensaison. Und mehr zum umfassenden Schutz vor Hitzeschäden beim Pferd finden Sie im dazugehörigen Überblick.

Eine letzte Bemerkung, die mir am Herzen liegt: Sonnenbrand bei Pferden ist kein kosmetisches Problem. Wiederholte UV-Schäden an derselben Stelle können zu Plattenepithelkarzinomen führen – bösartigen Hauttumoren, die besonders an unpigmentierten Nüstern und um die Augen auftreten. Prävention ist hier nicht optional, sondern lebensnotwendig.

Ist Sonnenbrand bei Pferden gefährlich?

Ja. Akut verursacht Sonnenbrand Schmerzen, Schwellung und Blasenbildung. Langfristig erhöht wiederholter Sonnenbrand das Risiko für Plattenepithelkarzinome – bösartige Hauttumoren, die besonders an unpigmentierten Stellen wie Nüstern und Augenumgebung auftreten. Prävention durch Schattenzugang, UV-Masken und Sonnencreme ist deshalb unverzichtbar.

Welche Sonnencreme ist für Pferde geeignet?

Am besten geeignet sind Zinkoxid-basierte Sonnencremes mit Lichtschutzfaktor 50, die physikalisch statt chemisch wirken und auf feuchter Haut besser haften. Vermeiden Sie parfümierte Produkte, da sie Fliegen anlocken. Die Creme muss mehrmals täglich nachgetragen werden, insbesondere auf Nüstern und Maul.

Erstellt vom Redaktionsteam „Wetter Pferd”.