Mauke bei Regen – warum Nässe die Fesselbeuge angreift und was hilft

Nasses Gras, matschiger Paddock – der perfekte Nährboden für Mauke
Jedes Jahr im Herbst, wenn der Regen nicht mehr aufhört und die Paddocks sich in Schlammlandschaften verwandeln, steht Mauke auf meiner Problemliste ganz oben. In einem Stall mit 20 Pferden habe ich in einem einzigen Novembermonat sieben Fälle dokumentiert – alle auf demselben Matschpaddock, alle an den Hinterbeinen. In Deutschland, wo je nach Region 10 bis 35 Regenereignisse pro Jahr auftreten und der Herbst oft monatelang feucht bleibt, ist Mauke nicht die Ausnahme, sondern ein saisonaler Dauergast.
Mauke – medizinisch Dermatitis pastern, Fesselekzem – ist eine Entzündung der Haut in der Fesselbeuge, ausgelöst durch eine Kombination aus permanenter Feuchtigkeit, mechanischer Reizung durch Schlamm und opportunistischen Erregern. Die Fesselbeuge ist die verletzlichste Zone am Pferdebein: dünnere Haut als am Röhrbein, ständig in Bewegung, schlecht belüftet – und im Matsch permanent in Kontakt mit Wasser, Bakterien und Schmutz.
Wie Mauke entsteht – Feuchtigkeit, Bakterien und begünstigende Faktoren
Der Entstehungsmechanismus ist simpel, aber gerade deshalb so schwer zu durchbrechen. Feuchtigkeit weicht die Haut in der Fesselbeuge auf – die natürliche Barrierefunktion der Oberhaut geht verloren. Durch die aufgeweichte Haut dringen Bakterien ein, vor allem Dermatophilus congolensis, aber auch Staphylokokken und Streptokokken. Die Bakterien lösen eine Entzündungsreaktion aus, die Haut wird rot, geschwollen, schmerzhaft. In der feuchten, warmen Umgebung der Fesselbeuge vermehren sich die Erreger rasant – ein Kreislauf, der sich ohne Eingriff verschlimmert.
Die thermoneutrale Zone des Pferdes – minus 15 bis plus 25 Grad – hat mit Mauke direkt nichts zu tun, aber die Bedingungen, die außerhalb dieser Zone entstehen, begünstigen sie indirekt. Im Herbst und Winter, wenn Pferde auf nassen Böden stehen und die Luft feucht ist, trocknet die Haut zwischen den Regenperioden nie vollständig ab. Dieser Dauerzustand ist schlimmer als gelegentliche Nässe – die Haut hat keine Chance, ihre Barriere zu regenerieren.
Besonders anfällig sind Pferde mit langem Fesselbehang – Friesen, Tinker, Shire Horses, Kaltblüter generell. Der Behang hält die Feuchtigkeit in der Fesselbeuge fest und verhindert die Luftzirkulation. Viele Halter sehen den Behang als natürlichen Schutz – tatsächlich ist er das Gegenteil: Er schafft das perfekte Mikroklima für Mauke-Erreger. Gleichzeitig erschwert er die Inspektion, sodass die ersten Anzeichen oft unbemerkt bleiben, bis das Pferd lahmt.
Weitere Risikofaktoren: Weiße Beine mit unpigmentierter Haut sind empfindlicher als dunkle. Pferde mit Immunschwäche oder Stoffwechselerkrankungen entwickeln häufiger Mauke. Und Pferde, die regelmäßig durch tiefen Matsch waten müssen, um an Futter oder Wasser zu kommen, haben ein vielfach erhöhtes Risiko – die mechanische Reizung durch Schlamm und Sand auf aufgeweichter Haut wirkt wie Schmirgelpapier auf eine offene Wunde. Ein Faktor, den ich immer wieder anspreche: mangelnde Hygiene bei der Fesselpflege. Wer mit derselben ungewaschenen Bürste von einem Pferd mit Mauke zum nächsten geht, überträgt die Erreger direkt. Separate Pflegeutensilien für betroffene Pferde sind Pflicht.
Behandlung und Vorbeugung – von Desinfektion bis Paddockmanagement
Die Behandlung von Mauke beginnt mit einem Schritt, der kontraintuitiv klingt: Waschen. Ja, bei einer Erkrankung, die durch Nässe entsteht, waschen Sie zuerst. Aber gezielt und einmalig – mit einer milden, desinfizierenden Waschlösung, um Schmutz, Krusten und Erreger zu entfernen. Chlorhexidin 2 Prozent oder Betaisodona-Lösung verdünnt sind geeignet. Gründlich ausspülen und dann – das ist der entscheidende Schritt – vollständig trocknen. Nicht föhnen, nicht rubbeln, sondern an der Luft trocknen lassen, gegebenenfalls mit sauberen Tüchern abtupfen.
Nach dem Trocknen: eine desinfizierende und trocknende Salbe oder Paste auftragen. Zinkoxid-Paste hat sich in meiner Praxis bewährt – sie trocknet, desinfiziert und bildet einen leichten Schutzfilm. Keine fettigen Salben, die die Feuchtigkeit einschließen. Keine Kortisonsalben ohne tierärztliche Anweisung, weil Kortison die Immunabwehr lokal unterdrückt und die Infektion verschlimmern kann. Bei schwerer Mauke mit offenen, nässenden Stellen, Schwellung des gesamten Fesselbereichs oder Lahmheit ist der Tierarzt Pflicht – Antibiotika und Schmerzmittel können notwendig sein.
Die beste Behandlung ist aber die Vorbeugung, und die beginnt am Boden. Ein befestigter Paddock im Futter- und Tränkebereich reduziert die Matschexposition drastisch. Paddockplatten, Schotter mit Vlies, Drainage in Hanglagen – die Investition amortisiert sich in einer Saison durch eingesparte Behandlungskosten. In Ställen, die ich neu berate, ist der Paddockboden der erste Punkt auf meiner Liste.
Tägliche Kontrolle der Fesselbeugen gehört in der Regenzeit zur Routine – genauso selbstverständlich wie das Hufauskratzen. Bei Pferden mit langem Behang: den Behang nicht scheren, aber regelmäßig anheben und die Haut darunter inspizieren. Bei den ersten Anzeichen von Rötung oder Feuchtigkeit sofort trocknen und desinfizieren – im Frühstadium ist Mauke in drei bis fünf Tagen erledigt. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Behandlung Wochen dauern.
Ein letzter Tipp aus der Praxis: Matschabschnitte auf dem Weg zwischen Weide und Stall sind oft die unterschätzte Quelle. Das Pferd steht zwar auf einem befestigten Paddock, watet aber zweimal täglich durch 20 Meter tiefen Matsch. Diese Passagen zu befestigen – notfalls mit einer provisorischen Schicht Holzhackschnitzel – kann den Unterschied machen.
Und noch etwas, das ich bei Mauke-anfälligen Pferden konsequent empfehle: Keine Gamaschen und Bandagen bei Nässe. Sie schließen Feuchtigkeit ein und schaffen unter dem Material exakt die Bedingungen, die Mauke-Erreger lieben – warm, feucht, lichtarm. Wenn Sie Gamaschen nutzen müssen, trocknen Sie die Fesselbeugen vorher vollständig und ziehen Sie die Gamaschen nach dem Reiten sofort aus. Mehr zum Thema Hufschutz und Nässemanagement finden Sie im Beitrag zur Pferdehaltung bei Regen und Sturm.
Sind Pferde mit langem Fesselbehang anfälliger für Mauke?
Ja. Der lange Behang hält Feuchtigkeit in der Fesselbeuge fest und verhindert die Luftzirkulation. Friesen, Tinker, Shire Horses und andere Kaltblüter mit starkem Behang sind deutlich häufiger betroffen. Der Behang erschwert außerdem die Früherkennung, weil die ersten Anzeichen verborgen bleiben.
Wie trocknet man die Fesselbeugen richtig, ohne die Haut zu reizen?
Nach dem Waschen mit milden, sauberen Tüchern abtupfen – nicht rubbeln. Dann an der Luft trocknen lassen, idealerweise in einem trockenen, befestigten Bereich. Nicht mit dem Föhn trocknen, da die heiße Luft die bereits gereizte Haut weiter schädigen kann. Nach dem vollständigen Trocknen eine Zinkoxid-Paste als Schutzschicht auftragen.
Erstellt von der Redaktion von „Wetter Pferd”.