Kolik beim Pferd – Symptome erkennen und Erste Hilfe bis der Tierarzt kommt

Updated Juli 2026
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Pferdebesitzer prüft die Vitalwerte eines Pferdes im Stall

Kolik ist die häufigste Todesursache bei Pferden – Minuten zählen

Um 23 Uhr klingelte mein Telefon. Eine Besitzerin, die Stimme panisch: „Er wälzt sich, er schwitzt, er will nicht aufstehen.“ Ich war 20 Minuten später im Stall. Der Wallach lag auf der Seite, die Flanken aufgebläht, die Schleimhäute blass. Der Tierarzt brauchte noch 40 Minuten. In diesen 40 Minuten passierte das, was über Leben und Tod entschied – nicht Medizin, sondern die richtigen Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge.

Kolik ist keine Krankheit – es ist ein Symptom. Der Begriff beschreibt jeden Zustand von Bauchschmerzen beim Pferd, von der harmlosen Gasansammlung bis zum lebensbedrohlichen Darmverschluss. Koliken sind die häufigste Todesursache bei Pferden, und die Letalität bei Notfalleinweisungen liegt bei etwa 7 Prozent. Was diese Statistik nicht zeigt: Die Überlebenschancen hängen massiv davon ab, wie schnell reagiert wird. Ein Pferd mit einer einfachen Gaskolik, das innerhalb von zwei Stunden behandelt wird, hat eine Überlebensrate von über 95 Prozent. Dasselbe Pferd, 12 Stunden unbehandelt, kann eine Darmverlagerung entwickeln, die nur noch chirurgisch lösbar ist – mit deutlich schlechteren Prognosen. Pferde, die eine schwere Kolik nicht überleben, haben fast zwölfmal häufiger die Diagnose Kolik erhalten als überlebende Tiere.

Die Warnsignale – woran Sie eine Kolik erkennen

Ich unterteile die Koliksymptome in drei Stufen, weil das den meisten Besitzern hilft, die Dringlichkeit einzuschätzen – obwohl ich betone: Bei jedem Verdacht auf Kolik sofort den Tierarzt rufen, unabhängig von der Stufe.

Stufe eins – Unruhe: Das Pferd scharrt, schaut wiederholt zum Bauch, flehmt, legt sich häufiger hin und steht wieder auf, zeigt reduzierten Appetit. Diese Anzeichen können auch andere Ursachen haben, aber in Kombination deuten sie auf Bauchschmerzen. Messen Sie jetzt die PAT-Werte: Puls, Atmung, Temperatur. Normal: Puls 24 bis 48 Schläge pro Minute, Atmung 8 bis 16 Atemzüge pro Minute, Temperatur 37,5 bis 38,5 Grad. Abweichungen nach oben sind ein Warnsignal.

Stufe zwei – deutliche Schmerzen: Das Pferd wälzt sich, tritt nach dem Bauch, schwitzt sichtbar, die Schleimhäute sind gerötet oder blass, der Puls liegt über 50, die Atmung über 20. Das Pferd verweigert Futter und Wasser. In dieser Phase ist die Kolik eindeutig, und der Tierarzt muss auf dem Weg sein.

Stufe drei – Notfall: Das Pferd wälzt sich unkontrolliert und lässt sich nicht aufstellen, die Schleimhäute sind dunkelrot oder blau, der Puls liegt über 60, das Pferd zeigt kalten Schweiß und ist apathisch. Diese Symptome deuten auf eine schwere Kolik mit Kreislaufversagen – hier zählt jede Minute, und der Transport in eine Klinik muss vorbereitet werden.

Ein Detail, das ich in Erste-Hilfe-Kursen immer betone: Hören Sie auf die Darmgeräusche. Legen Sie Ihr Ohr an die Flanke des Pferdes, rechts und links. Normal hören Sie ein ständiges Gluckern und Grummeln – das ist die Peristaltik bei der Arbeit. Stille – keine Geräusche auf einer Seite – ist ein Alarmzeichen, das auf einen stillstehenden Darmabschnitt hindeutet.

Was Sie tun können, bevor der Tierarzt eintrifft

Die wichtigste Maßnahme zuerst: Rufen Sie den Tierarzt an. Nicht in zehn Minuten, nicht nachdem Sie beobachtet haben – sofort. Lieber einmal zu viel angerufen als einmal zu spät. Während Sie auf den Tierarzt warten, können Sie drei Dinge tun, die helfen.

Erstens: Führen Sie das Pferd im Schritt. Moderate Bewegung fördert die Darmperistaltik und kann bei einfachen Gaskoliken zur Lösung beitragen. Nicht traben, nicht hetzen – ruhiges Schreiten, idealerweise auf ebenem Boden. Wenn das Pferd sich weigert zu gehen oder sich wiederholt hinwerfen will, zwingen Sie es nicht – lassen Sie es sich hinlegen, aber verhindern Sie unkontrolliertes Wälzen, weil dabei das Risiko einer Darmverdrehung steigt.

Zweitens: Kein Futter, kein Wasser. Ein Pferd mit Kolik sollte nicht fressen, weil zusätzlicher Darminhalt das Problem verschlimmern kann. Entfernen Sie Heu, Stroh und Kraftfutter aus der Reichweite – manche Pferde fressen selbst bei starken Schmerzen, wenn Futter verfügbar ist. Wasser in kleinen Mengen ist umstritten – manche Tierärzte erlauben ein paar Schluck, andere empfehlen kompletten Entzug bis zur Untersuchung. Im Zweifelsfall: nichts geben und den Tierarzt telefonisch fragen. Was Sie auf keinen Fall tun sollten: Hausmittel verabreichen. Kein Öl, kein Tee, kein Schnaps – alles Dinge, die ich in neun Jahren als „Geheimtipp“ gehört habe und die im besten Fall wirkungslos und im schlimmsten Fall schädlich sind.

Drittens: Dokumentieren Sie die PAT-Werte und die Symptome mit Zeitangabe. Der Tierarzt braucht diese Informationen, um die Entwicklung einzuschätzen. „Er hat um 21 Uhr angefangen zu scharren, um 21:30 gewälzt, Puls um 22 Uhr bei 56“ – solche konkreten Angaben sind Gold wert für die Diagnose und die Entscheidung, ob eine konservative Behandlung ausreicht oder eine Klinikeinweisung nötig ist.

Und ein vierter Punkt, den ich aus leidvoller Erfahrung ergänze: Bereiten Sie den Pferdeanhänger vor. Wenn der Tierarzt nach der Untersuchung sagt „Klinik“, muss es schnell gehen. Ein Anhänger, der erst aus der Scheune gezogen, angekuppelt und vorbereitet werden muss, kostet 20 bis 30 Minuten – Zeit, die ein Pferd mit Darmverschluss nicht hat. In meinen Ställen steht der Anhänger im Winter immer angekuppelt und fahrbereit. Einen breiteren Überblick über die Forschung zum Thema Kolik und Wetter finden Sie im entsprechenden Beitrag.

Darf man ein Pferd mit Kolik fressen lassen?

Nein. Ein Pferd mit Kolikverdacht sollte kein Futter bekommen, weil zusätzlicher Darminhalt das Problem verschlimmern kann. Entfernen Sie Heu und Kraftfutter aus der Reichweite des Pferdes. Wasser in kleinen Mengen ist umstritten – fragen Sie den Tierarzt telefonisch, bis er eintrifft.

Wie misst man die PAT-Werte bei Kolikverdacht?

Puls: Fühlen Sie den Puls unter dem Unterkiefer oder hinter dem Ellbogen – zählen Sie 15 Sekunden und multiplizieren mit vier. Normal: 24 bis 48 pro Minute. Atmung: Beobachten Sie die Flankenbewegung – zählen Sie 15 Sekunden und multiplizieren mit vier. Normal: 8 bis 16. Temperatur: Digitales Fieberthermometer rektal einführen. Normal: 37,5 bis 38,5 Grad. Notieren Sie alle Werte mit Uhrzeit.

Erstellt vom Redaktionsteam „Wetter Pferd”.