Pferde in Deutschland – aktuelle Zahlen zu Bestand, Reitern und Zucht (2025)

1,3 Millionen Pferde, 900000 Besitzer – ein Überblick in Zahlen
Wer sich mit Wetter und Pferdehaltung beschäftigt, braucht zuerst einen Rahmen: Wie viele Pferde gibt es überhaupt in Deutschland, wer hält sie, und wie verändert sich die Branche? Ich stelle diese Zahlen hier zusammen, weil ich in meiner täglichen Beratungsarbeit immer wieder merke, dass das Gesamtbild fehlt. Einzelne Pferdehalter sehen ihren Stall, ihre Gemeinde, vielleicht ihren Verband – aber die Dimension des Ganzen überrascht fast jeden. Und diese Dimension ist der Grund, warum wetter- und klimabedingte Probleme in der Pferdehaltung keine Randthemen sind, sondern eine Branche mit Millionen Betroffenen tangieren.
In Deutschland leben rund 1,3 Millionen Pferde. Diese Hochrechnung basiert auf einer Ipsos-Studie im Auftrag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung – der FN – und ist die zuverlässigste Schätzung, die wir haben. Etwa 900000 Privatpersonen besitzen mindestens ein Pferd. Soenke Lauterbach, FN-Generalsekretär, ergänzt: Rechnet man die unter 14-Jährigen hinzu, kommt man auf schätzungsweise 2,9 Millionen Reiter in Deutschland. Das macht den Pferdesport zu einer der größten Breitensportarten des Landes – und gleichzeitig zu einer der am stärksten wetterabhängigen.
Die FN zählt 662926 Mitglieder im Jahr 2024, und ein Blick auf die Geschlechterverteilung bestätigt, was jeder weiß, der regelmäßig in Ställen unterwegs ist: 81 Prozent der Mitglieder sind Frauen und Mädchen – 536647 weibliche Mitglieder gegenüber rund 126000 männlichen. Diese Struktur prägt die gesamte Branche: Kommunikation, Produktentwicklung und Beratung richten sich überwiegend an Frauen, die gleichzeitig die primären Entscheidungsträgerinnen in Fragen der Pferdehaltung und des Gesundheitsmanagements sind.
Pferdebestand und Besitzerstruktur
Was die nackten Zahlen nicht verraten, ist die Verteilung. Pferde in Deutschland werden überwiegend privat gehalten – in Reitschulen, auf Privatgestüten, in Pensionsställen und in zunehmend vielen Offenstallgemeinschaften. Die Professionalisierung der Haltung hat in den letzten zehn Jahren zugenommen: Mehr Ställe investieren in befestigte Paddocks, automatische Fütterungssysteme und wettergeschützte Unterstände. Gleichzeitig wächst die Zahl der Hobbyhalter, die ein oder zwei Pferde auf einem gemieteten Grundstück halten – oft mit begrenztem Budget und begrenztem Fachwissen, was das Wettermanagement betrifft.
Die regionale Verteilung folgt einem klaren Muster: Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben die höchsten Pferdebestandsdichten. Das liegt an der Tradition der Warmbluthzucht, der Verfügbarkeit von Weideland und der Infrastruktur aus Reitschulen, Turnierplätzen und Tierarztpraxen. Gleichzeitig sind diese Regionen besonders vom wechselhaften Wetter der Norddeutschen Tiefebene betroffen – Dauerregen, Stürme, milde Winter mit wenig Frost, aber viel Nässe. Bayern und Baden-Württemberg folgen mit hoher Dichte, haben aber ein kontinentaleres Klima mit stärkeren Temperaturschwankungen und mehr Sommerhitze – andere Herausforderungen für das Wettermanagement.
Ein Aspekt, der in der Statistik selten auftaucht, den ich aber aus meiner Beratungstätigkeit kenne: Die Altersstruktur der Pferdepopulation verschiebt sich. Pferde werden älter, weil die Veterinärmedizin besser geworden ist und die Halter mehr in Gesundheitsvorsorge investieren. Mehr alte Pferde bedeuten mehr Pferde mit besonderen Bedürfnissen bei Extremwetter – ein Trend, der das Thema Wettermanagement noch wichtiger macht. Gleichzeitig verändert sich die Haltungsform: Der Trend geht von der klassischen Boxenhaltung zur Offenstall- und Gruppenhaltung – Systeme, die mehr Kontakt mit dem Wetter bedeuten und entsprechend höhere Anforderungen an das Standortmanagement stellen.
Zucht im Wandel – sinkende Fohlen- und Stutenzahlen
Die Zuchtstatistiken der FN zeigen eine Entwicklung, die mich als Branchenbeobachter seit Jahren beschäftigt. Die Zahl der registrierten Zuchtstuten ist 2025 auf 48761 gesunken – von 50195 im Vorjahr. Parallel dazu sank die Zahl der Fohlen auf 26640, nach 28953 im Jahr davor. Das sind keine dramatischen Einbrüche, aber es ist ein konsistenter Abwärtstrend, der sich über mehrere Jahre zieht.
Dr. Klaus Miesner, Vorstand Zucht bei Pferdesport Deutschland, sieht den Hauptgrund in gestiegenen Kosten: Viele Züchter agieren angesichts gestiegener Kosten vorsichtig und schauen sich ihren Stutenbestand genauer an als zuvor. Futter, Tierarzt, Stallmiete, Besamung – die Kosten für die Aufzucht eines Fohlens haben sich in den letzten fünf Jahren spürbar erhöht. Gleichzeitig sind die Verkaufspreise auf Auktionen gestiegen: 2024 wurden 683 Reitpferde zu einem Durchschnittspreis von 28735 Euro versteigert – ein Anstieg gegenüber 27205 Euro im Vorjahr. Der Markt wird enger, aber für Qualität wird mehr bezahlt.
Auf der Turnierseite bleibt die Aktivität hoch: 3244 Veranstaltungen mit über einer Million Starts und einem Gesamtpreisgeld von 29,67 Millionen Euro im Jahr 2024. Diese Zahlen zeigen, dass der organisierte Sport stabil ist – aber die Basis, aus der die Nachwuchspferde kommen, schrumpft. Eine Schere, die sich in den nächsten Jahren weiter öffnen wird, wenn nicht gegengesteuert wird. Die Importquote steigt bereits: Immer mehr Sportpferde werden aus dem Ausland zugekauft, statt in Deutschland gezüchtet.
Was hat das mit Wetter zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick denkt. Wenn weniger Fohlen geboren werden und die vorhandenen Pferde älter werden, verschiebt sich der Fokus von der Zucht zur Haltung – und damit zum Management. Wetterbedingte Erkrankungen, Hitzestress, Kolikprävention und altersgerechter Winterschutz werden für eine alternde Pferdepopulation immer relevanter. Die Branche muss ihre Ressourcen nicht nur in die Zucht, sondern verstärkt in die langfristige Gesunderhaltung investieren – und das Wettermanagement ist ein zentraler Baustein davon. Einen umfassenden Überblick über die gesundheitlichen Auswirkungen von Wetter auf Pferde bietet der Hauptartikel zu Wetter und Pferd.
Wie viele Pferde gibt es aktuell in Deutschland?
In Deutschland leben rund 1,3 Millionen Pferde, gehalten von etwa 900000 Privatpersonen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung zählt 662926 Mitglieder, davon 81 Prozent Frauen und Mädchen. Insgesamt reiten schätzungsweise 2,9 Millionen Menschen in Deutschland, wenn man auch die unter 14-Jährigen einbezieht.
Warum sinken die Fohlenzahlen in Deutschland?
Die Zahl der registrierten Fohlen ist 2025 auf 26640 gesunken. Der Hauptgrund sind gestiegene Kosten für Futter, Tierarzt, Stallmiete und Besamung, die viele Züchter zu einer vorsichtigeren Planung veranlassen. Gleichzeitig steigen die Verkaufspreise für Qualitätspferde – der Markt wird kleiner, aber hochpreisiger.
Verfasst vom Team von „Wetter Pferd”.