Hufpflege bei Regen – Strahlfäule vorbeugen und aufgeweichte Hufe schützen

Dauerregen und Matsch – warum die Hufe jetzt besondere Pflege brauchen
Zwei Wochen Dauerregen im November, und in drei von fünf Ställen, die ich betreue, roch es beim Hufauskratzen faulig. Strahlfäule – ausgelöst durch permanente Feuchtigkeit, mangelnde Belüftung der Hufsohle und Bakterien, die in anaerober Umgebung gedeihen. In Deutschland regnet es an durchschnittlich 180 Tagen im Jahr, im Norden und Westen noch deutlich häufiger – 10 bis 35 Gewitter- und Regenereignisse pro Jahr je nach Region. Für Pferdehufe bedeutet das: Nässe ist kein Ausnahmezustand, sondern Dauerzustand, und die Hufpflege muss darauf ausgelegt sein.
Das Hufhorn – das Keratinmaterial, aus dem die Hufkapsel besteht – ist porös und nimmt Feuchtigkeit auf. Ein Huf, der stundenlang im Schlamm steht, saugt sich voll wie ein Schwamm. Das Horn wird weich, verliert seine Tragfähigkeit, und die Sohle wird druckempfindlich. Gleichzeitig quillt das Horn an den Übergängen zwischen Wand und Sohle, was feine Risse erzeugt, in die Bakterien und Pilze eindringen. Die thermoneutrale Zone des Pferdes von minus 15 bis plus 25 Grad sagt nichts über die Hufe aus – die leiden nicht unter Kälte, sondern unter Nässe, und das unabhängig von der Temperatur.
Strahlfäule erkennen und behandeln
Strahlfäule hat einen unverwechselbaren Geruch – faulig, scharf, irgendwo zwischen verrottendem Ei und Ammoniak. Wenn Sie das riechen, haben Sie bereits ein Problem, das behandelt werden muss. Aber die ersten Anzeichen sind subtiler und leicht zu übersehen.
Im Frühstadium zeigt sich Strahlfäule als dunkle, breiige Substanz in den seitlichen Strahlfurchen – den Vertiefungen links und rechts des Strahls. Der Strahl selbst fühlt sich weich an und löst sich in Schichten ab, wenn man mit dem Hufkratzer darüberfährt. Gesundes Strahlhorn ist fest, elastisch und hat eine gummiartige Konsistenz. Krankes Strahlhorn ist matschig, schwarz und lässt sich leicht abkratzen.
Im fortgeschrittenen Stadium frisst sich die Fäulnis in die mittlere Strahlfurche – die tiefe Spalte in der Mitte des Strahls. Hier wird es schmerzhaft: Das Pferd reagiert empfindlich auf Druck beim Hufauskratzen, geht auf hartem Boden fühlig oder lahmfrei, zeigt aber auf weichem, matschigem Boden eine leichte Unlust zur Bewegung. In schweren Fällen kann die Fäulnis bis zur Huflederhaut vordringen und eine tiefe Infektion auslösen, die den Tierarzt und den Hufschmied gleichzeitig erfordert.
Die Behandlung im Frühstadium ist unkompliziert: Gründliches Auskratzen und Reinigen der betroffenen Stellen mit einer Bürste. Dann ein Mittel auftragen, das desinfiziert und trocknet – Jodlösung verdünnt oder spezielle Strahlfäule-Tinkturen auf Basis von Kupfersulfat. Entscheidend ist nicht das Mittel, sondern die Konsequenz: Täglich reinigen und behandeln, bis der Strahl wieder festes Horn zeigt. Das kann zwei bis vier Wochen dauern. Und – das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern – gleichzeitig die Ursache beseitigen, also die permanente Feuchtigkeitsexposition reduzieren.
In schweren Fällen, wenn die Fäulnis bis in die tiefe Strahlfurche vorgedrungen ist und das Pferd schmerzhaft reagiert, muss der Hufschmied das zerfallene Strahlhorn großflächig ausschneiden, damit die gesunde Lederhaut Luft bekommt und neues Horn nachbilden kann. Dieser Eingriff ist unangenehm für das Pferd und den Besitzer, aber ohne ihn heilt eine tiefe Strahlfäule nicht aus – oberflächliches Behandeln überdeckt nur das Problem, während die Infektion darunter weiterarbeitet.
Paddockgestaltung und Pflegeroutine gegen Nässeschäden
Ich sage meinen Kunden immer: Sie können die beste Strahlfäule-Tinktur der Welt benutzen – wenn das Pferd danach sechs Stunden im Schlamm steht, können Sie sich die Behandlung sparen. Die Hufpflege bei Regen beginnt nicht am Huf, sondern am Boden.
Der Futter- und Tränkebereich auf dem Paddock muss befestigt sein. Hier stehen Pferde am längsten, hier wird der Boden am schnellsten zerstört, und hier entsteht der tiefste Matsch. Paddockplatten aus Kunststoff oder eine Schotterschicht mit Geotextil darunter halten den Boden tragfähig und verhindern, dass Pferde bis zum Fesselgelenk einsinken. Die Investition rechnet sich innerhalb einer Saison – allein durch eingesparte Tierarzt- und Hufschmiedkosten.
Liegeflächen brauchen eine trockene Strohschicht. Ein Pferd, das sich nachts auf nassen Boden legt, liegt mit den Hufen stundenlang in Feuchtigkeit – genau die Bedingungen, unter denen Strahlfäule explodiert. In Offenställen empfehle ich Liegeflächen mit einem leichten Gefälle von zwei Prozent, das Regenwasser ableitet, plus eine Schicht Strohhäcksel, die regelmäßig erneuert wird. Die Investition in trockene Liegeflächen zahlt sich direkt in weniger Hufproblemen aus – ich habe in einem Stall nach der Befestigung des Liegebereichs die Strahlfäule-Rate von sieben Fällen pro Winter auf einen einzigen reduziert.
Die tägliche Pflegeroutine bei Regenperioden sieht bei mir so aus: Morgens und abends die Hufe auskratzen – nicht nur die Sohle, sondern gezielt die Strahlfurchen mit einer Bürste oder einem Tuch reinigen. Danach die Hufe an der Luft trocknen lassen, mindestens 30 Minuten, bevor das Pferd auf den Paddock geht. Kein Huföl, kein Huffett – entgegen der weit verbreiteten Meinung versiegeln diese Produkte die Hufoberfläche und schließen Feuchtigkeit ein, statt sie abzuführen. Huföl hat seine Berechtigung bei trockenen, brüchigen Hufen im Sommer, nicht bei aufgeweichten Hufen im Herbst.
Hufschuhe sind eine Überlegung wert für Pferde, die auf abrasivem, nassem Boden stehen und übermäßigen Hornabrieb zeigen. Das aufgeweichte Horn wird schneller abgetragen als trockenes, und ein Pferd, das im Herbst barfuß auf Schotter läuft, kann innerhalb weniger Wochen zu kurze Wände entwickeln. Der Hufschmied sollte in der Regenzeit alle sechs Wochen kontrollieren, nicht alle acht – kürzere Intervalle, weil das weiche Horn schneller wächst und sich schneller verformt. Weitere Schutzmaßnahmen gegen die Folgen von Dauerregen finden Sie im Beitrag zu Pferden bei Regen und Sturm.
Wie oft sollte der Hufschmied bei nassem Wetter kommen?
Bei anhaltender Nässe empfehle ich Kontrollintervalle von sechs statt acht Wochen. Aufgeweichtes Hufhorn wächst schneller und verformt sich leichter, was regelmäßige Korrekturen erfordert. Bei Pferden mit bereits bestehender Strahlfäule kann eine Zwischenkontrolle nach drei bis vier Wochen sinnvoll sein, um den Fortschritt der Behandlung zu prüfen.
Hilft Huföl gegen aufgeweichte Hufe?
Nein – im Gegenteil. Huföl und Huffett versiegeln die Hufoberfläche und schließen vorhandene Feuchtigkeit ein, statt sie abzuführen. Bei aufgeweichten Hufen in der Regenzeit ist Trockenheit das Ziel, nicht zusätzliche Versiegelung. Huföl ist für trockene, brüchige Hufe im Sommer gedacht, nicht für den Herbst und Winter.
Geschrieben von der Redaktion „Wetter Pferd”.